Aufgabe
Wettbewerb Grimm Zentrum Berlin
Zentrale Universitätsbibliothek und Computer- und Medienservice der Humboldt Universität zu Berlin
Mitarbeiter
Ulrich Hahnefeld, Gabriele Roy, Stephan Schrick
Bauherr
Humboldt Universität zu Berlin
Standort
Planckstrasse, Berlin
Material
Datum
bis 07-2004
Zahlen
21.900 m² BGF
 
WB Grimm Zentrum · Berlin
Subtraktion


Erläuterungsbericht

Städtebau

In steinernen Herzen Berlins besonders wichtig: Die Aufnahme der Blockstruktur. Gleichzeitig in komplementärer Vollendung des Entwurfs werden die Raumkanten, die mit Bezügen zur Blockstruktur und zur unmittelbaren Umgebung spielen, aufgelockert, bisweilen aufgelöst. Dieser scheinbare Gegensatz stärkt die Raumkanten, fügt das Haus in das städtische Gewebe ein und verweist aus der Gegenwart in eine zukünftige städtebauliche Entwicklung. So ist eine Gestaltung möglich, die im direkten Dialog mit der Umgebung Potentiale nicht nur im herkömmlichen Sinne erschließt sondern neue Möglichkeitsräume für die Stadt eröffnet.

Die schnittmusterartigen Entwurfslinien sind aus der weiteren stadträumlichen Umgebung abgeleitete Kraftlinien, die den ideellen Bezug zu weiteren „Landmarks“ der Topographie Berlins herstellen. Ein fast privater, in der Höhe einsehbarer Hof, ein Plateau bilden das innerer Pendant zur kristallinen großstädtischen Silhouette. Der bis in das Untergeschoss reichende Lichthof verbindet Großstadtraum, introvertierten Außenraum und innere Erschließung zu einer Erlebnisspange und schafft blendfreie Belichtung.

Der bedeutende Bewegungsraum der Bahntrasse wird begleitet und inszeniert von einen Gebäuderiegel der gleichzeitig schützt und öffnet. Der Blick von Oben auf den Gleiskörper ist ebenso starkes Motiv wie die Bewegung der Bibliotheksnutzer parallel zu den Zügen. Reisende werden zum Gegenüber. Die weite Perspektive zur Museumsinsel und zur Friedrichstrasse sind so noch nicht gesehen und scheinen zum Greifen nah.

Als öffentlicher Ort im Blockraster der Mitte Berlins bleibt das Haus in seiner Umgebung permeabel. Es scheint, dass von allen Seiten der direkte Zugang möglich ist. Das Haus tritt wenn nötig respektvoll zurück, um Besuchern die Zugänge zu zeigen oder mit den Geschäften in der Bahnkasematte einen Interaktionsraum zu bilden. Die Passage entlang des Hauses wird begleitet von öffentlichen, einsehbaren Funktionen der Bibliothek. Stadtraum und Haus und Funktion als Bibliothek verweben sich untrennbar.

Den städtebaulichen Konzept folgend werden die Linien und Strukturen der angrenzenden Bebauung streng und respektvoll aufgenommen. Der Neubau nimmt sich der Umgebung an, greift Bestehendes auf und entwickelt daraus zurückhaltend aber selbstbewusst eine eigene Sprache und ein eigenes System. Der „Text“ der Stadtstruktur Berlins wird nicht überschrieben sondern mit behutsam zeitgemässen Vokabeln angereichert und zu einer neuen „Bedeutung“ entwickelt.

Ordnungskriterien werden adaptiert und aus einem tradierten statischen Zustand in einen aufgeladenen, dynamischen Prozess überführt.

Die entstehenden Blockinnenkanten oder Schnittkanten, die sowohl eine direkt räumliche wie auch übertragen eine zeitliche Lesart zulassen, zeigen sich als offene Ganzglasflächen, die über Drucke oder mediale Inszenierungen variabel gestaltet werden können. Aus- und Einblicke, Lichteinfall, kommunizierte Botschaften etc. verändern das Haus und die Umgebung. Die Immobilie gewinnt an Bewegung .

Weitere und nähere Stadtbezüge aus den Inneren werden durch gezielte Ausblicke hergestellt. Thinktanks und Gruppenarbeitsräume in den oberen Geoschossen haben z.B.: weite Ausblicke in die Stadtlandschaft. Die sich verschränken L-förmigen Baukörper machen die innere Gebäude- und Nutzungsstruktur der öffentlichen Nutzung und der Büronutzung ablesbar. Im Inneren ergeben sich permanent abwechslungsreiche Raumproportionen durch Kombinationen aus konventionellen Geschosshöhen mit mehrgeschossigen Lufträumen oder weiten Durchblicken.

Details:
Die Möblierung und somit die Zonierung der Bibliotheksfunktionen folgt der Gebäudestruktur und hilft Identität und Orientierung der einzelnen Abteilungen zu schaffen.
Der Treppenhauskern im zweigeschossigen Eingangsbereich dient als Wegweiser, und wechselnd gestaltbare Medien- und Kommunikationswand nach Innen und Außen.
Cafe, Ausstellungsfläche und Vortragssaal sind separat zugänglich und nutzbar und beleben die Erdgeschosszone „rund um die Uhr“. Die Erdgeschosszone wird teil einer Geschäftspassage.
Das Foyer mit Lichthof wird vielgeschossiger Interaktions- und Bewegungsraum als Rückgrat des Jacob und Wilhelm Grimm Zentrums.
Der PC Pool ist Beispiel für die partielle Mehrgeschossigkeit als in das UG abgesenkter, 2-geschossiger Bereich für Computerarbeitsplätze mit Tageslicht.