Aufgabe
HAK/BDA. Workshop Dallmannkai :Ideen für die neue HafenCity
Mitarbeiter
Ulrich Hahnefeld, Stephan Schrick, Sascha Maucic (SHE_arch)
Bauherr
Standort
Dalmannkai, Hafencity Hamburg
Material
Datum
03-2001
Zahlen
 
Workshop Dalmannkai · Hamburg
Divers · Überlagerung
Workshop

HAK/BDA. Workshop Dallmannkai :Ideen für die neue HafenCity

SEIT DIESEM JAHR wird in der HafenCity gebaut: ein neue Brücke über den Kibbelsteg beispielsweise, ein erster Büro- und Schulungskomplex für den Softwarehersteller SAP. Ein Architekturwettbewerb für ein New Media Center im Kaispeicher A ist entschieden. Die Planungs- und Baugeschwindigkeit der HafenCity steigt. Das ist wichtig für den Standort Hamburg. Und es kann noch viel besser werden, wenn es gelingt, dieses neue Herzstück der Stadt ins Bewusstsein aller Hamburger Bürger einzubinden. Die engagiert geführten Diskussionen in der Öffentlichkeit und in den Medien deuten in den letzten Monaten darauf hin, dass die Planungen für die HafenCity nicht nur einem kleinen Kreis professioneller Planer der Stadtentwicklungsbehörde und der GHS überlassen werden sollen. Das ist gut so! Und in etwa in dieser Richtung ist auch der Ansatz zum Workshop Dalmannkai zu sehen, der vom 22. bis zum 24. März 2001 im Hamburger Architektur Centrum von der Hamburgischen Architektenkammer und dem BDA Hamburg veranstaltet worden ist.
Das Gebiet dieser Landzunge mit dem Kaispeicher A, der, wie erwähnt, zum Medienzentrum umgerüstet und ausgebaut wird, liegt direkt neben dem Sandtorkai und der historischen Speicherstadt gegenüber und bildet somit das logische Entree für die neue HafenCity. Hier wird bereits sehr handfest geplant, d.h., auf der Basis des Masterplans entsteht schon jetzt ein rechtsgültiger Bebauungsplan.

Der Workshop hatte die Aufgabe, auf Basis des schon vorhandenen Wissensstands, aber auch, wenn notwendig, in Opposition dazu Wohnstrukturen in neuen oder alten Organisationsformen passend zum Ort und auch zum Immobilienmarkt im Hamburg des neuen Jahrtausends zu entwickeln. Dabei wurden besonders die Themen einer maritimen Kaibebauung oder -überbauung variiert, die bisher so noch nicht angedacht worden waren. Außerdem untersuchten die Workshopteilnehmer neue Formen einer stärkeren Verdichtung mit dem Ziel, ein wirklich städtisches und eben kein vorstädtisches Wohnquartier entstehen zu lassen. Gerade in diesem Punkt hatten nach Meinung der Veranstalter HAK/BDA die bisherigen Planungen wie auch ein anderer Workshop keine überzeugenden Konzepte erbracht.
Kennzeichnend für den Großteil der vorgestellten Arbeiten war auch die Auseinandersetzung mit dem zukünftigen Nutzungsmix und dem bisher ungeklärten Bewohner-Profil. Im Ergebnis führte das in den Arbeiten zu meist offenen und neutralen Raumangeboten, die nicht ausschließlich zum Wohnen, sondern auch für die Mischung Loft/Arbeiten/Wohnen und qualifizierte Dienstleistung geeignet sind.
Architekten sollen das tun, was sie am besten können: entwerfen. Da der Workshop für einen kurzzeitigen Wochenend-Stegreifentwurf konzipiert worden war, waren vor allem prägnante Ideen und Konzepte gefragt. Und, was wichtiger ist: Es wurde damit auch das Spielerische der Architektur betont. Die Ergebnisse sind überzeugend, wie auch der Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter nach der Präsentation bei der Abschlussdiskussion feststellte. Er warnte aber auch davor, „dass einige Arbeiten mit der Philosophie des Masterplans nicht übereinstimmen“. Walter meinte damit, dass der Masterplan ja sehr dezidiert in einer vorgedachten Zeitschiene den Nutzungsmix der einzelnen Quartiere definiert. Danach ist für den Dalmannkai hauptsächlich die Funktion innerstädtischen Wohnens vorgesehen. Die fünfzehn Arbeiten erweitern die Nutzungsmöglichkeiten, und das ist auch gut so!
Damit diese Stegreifentwürfe tatsächlich in den weiteren Planungsverlauf eingehen können, werden sie in diesem Jahrbuch kurz dokumentiert, aber nicht bewertet. Die einzelnen Architektengruppen sind mit den bestehenden Vorgaben (Masterplankonzeption und dem sich abzeichnenden Bebauungsplan) unterschiedlich umgegangen.
Das reicht von der grundsätzlichen Ablehnung des bisherigen Planungskonzepts und der Aufforderung durch die Architekten Stephan Schrick und Ulrich Hahnefeld, "von Zeit zu Zeit seinen Wortschatz aufzufrischen" und zu überprüfen, ob denn verwendete Strukturen und Begrifflichkeiten wie auch gesetzliche Restriktionen unter den heute sich neu entwickelnden Bedingungen noch greifen. Schricks und Hahnefelds dreidimensionale Modelle auf der Basis des Planungsgebietes bieten dann auch nur eine Revue einer verwerten, vermischten und überlagerten Kombination von Planungsparadigmen und -praktiken des 19. und 20. Jahrhunderts an. Ihr Beitrag ist nur ein Denkanstoß mit dem Ziel, bekannte "städtische Vokabeln von Block, Zelle, Punkt usw. radikal neu zu interpretieren und um Begriffe wie Netz, Schwamm oder Feld zu erweiternd. Mehr nicht. Und das hat beim Workshop für Irritationen gesorgt, was den Intentionen der Planverfasser wiederum entsprach. Ein anderes Extrem hatte Axel Siemonsen anzubieten, der sozusagen außer Konkurrenz angetreten war. Sein Entwurf plädiert für traditionelle Bauformen in der HafenCity, gelegentlich war auch von der Wiedereinführung einer romantischen Architektur die Rede. [...]

Dirk Meyhöfer

Architektur in Hamburg, Jahrbuch 2001, Junius Verlag Hamburg