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Haus 2 • Hohen Luckow

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Friction • oszillieren

COMPUTER MEETS MECKLENBURG

Wohnhaus in Hohen Luckow

 

Auch nach rund zehn erfolgreichen Jahren lässt sich über die Computerarchitektur noch immer kaum mehr sagen, als dass sie ein Trend der Zeit ist. So sehr zeitgebunden aber immerhin, dass man nach den eigenschaftslos-retrospektiven Achtzigerjahren wieder einen eigenwertigen Architekturstil zu erkennen glaubt, eine Spezialrichtung dessen, was hin und wieder gern »Zweite Moderne« oder »Supermodernismus« genannt wird. Dass es sich hierbei um Globalisierungsphänomene handelt, die unabhängig von Ort und Kontext, aber abhängig von der Solvenz und dem Sinn der Auftraggeber für Showbiz aus dem Boden schießen - das mag man gerne glauben, wenn man mitten in Mecklenburg- Vorpommern vor dem »Haus 002« in Hohen Luckow steht. Ähnlichkeiten mit dem »Haus 001«, einem Bau, der ebenso unvermittelt und kontrastreich in seine allerdings nordrhein-westfälische Umgebung in Beverungen abgeworfen wurde, sind kein Zufall.
Von der Peripherie arbeitet sich das Büro SHE_arch langsam ins Zentrum vor, von den liquiden, amorphen, generierten Träumen im Rechner langsam in die Realität. Auch beim »Haus 002« spürt man deutlich, wo die fließenden Formen herrühren. Die Un- oder Übernatürlichkeit der Computerbauten, ihre Silikonblasen-Ästhetik ist mittlerweile zur wieder erkennbaren Gewohnheit geworden. Und so gehört es auch im schmalen Œuvre von SHE_arch zum guten Ton, dass alles in markante Schwingung, in Fluss gerät - dabei ist dies ein ganz normales frei stehendes Einfamilienhaus. Im Grundriss und im Äußeren handelt es sich eigentlich um zwei halbe Häuser, dreifach getrennt: durch einen Versprung der gesamten Form, durch einen scharfkantigen Knick im Satteldach, durch einen langen Mittelgang im Inneren. Erst die Materialien - das mit Zinkblechschuppen verkleidete, dominante Dach und die querrechteckigen Holztafeln der Außenwände - fassen die skulpturalen Hälften wieder zusammen, bewahren das eher kompakte, konzentrierte Gebilde vor dem notorischen Wabern, das man von anderer Computerarchitektur kennt.
Eine geradezu symbolische Verankerung des zeitgeistigen Entwurfs in der Erde sind die eigenwilligen (konstruktiven) Tentakeln, die in spinnenbeinartiger Form bereits am Haus Beverungen auftauchten, wo sie das Dach des blasenförmigen Baukörpers bis auf den Boden verlängern. In Hohen Luckow haben sie sich in kräftige Füße verwandelt, die sich mit leichter Böschung in den Boden bohren. Nicht allein die optische Ergänzung der skulpturalen Form und ihre Weiterführung als Umrisslinien, nicht nur der schützende, pergolenartige Charakter, der über der Terrasse entsteht, mögen dabei Bedeutung besitzen. Vor allem der gebaute Gedanke, der durch die kräftigen Architekturarme transportiert wird, der den Entwurf trotz unbegrenzter Möglichkeiten des Rechners real auf den Boden der Tatsachen zurückholt, auf das Notwendige aufmerksam macht und das Funktionale anmahnt, verleiht dem »Haus 002« einen äußerst sympathischen Zug. Es mag, ebenso wie sein computeranimierter Vorgänger, einem gebauten Manifest entsprechen - doch einem Manifest des unaufgeregt Neuen, das sich nicht lauthals beweisen muss. Allein auf diese Weise könnte die Computerarchitektur zu einer Bedeutung kommen, über ihren flüchtig-modischen Gegenwartswert hinaus.
Christian Welzbacher

Aus: Architektur in Hamburg, Jahrbuch 2002 S. 88f.,
Junius Verlag Hamburg 2002

Aufgabe

Neubau eines Einfamilienwohnhauses

Mitarbeiter

Anna Nicolas-Espig, Ulrich Hahnefeld, Stephan Schrick (SHE_arch)
Ralf Dauzenroth, Fotos Oliver Heissner

Bauherr

Gut Hohen Luckow GbR

Standort

18239 Hohen Luckow, Mecklenburg-Vorpommern

Material

Holständerkonstruktion, Schichtholzfassade, Titanzinkdeckung vorbewittert

Datum

11-1998 bis 07-2001

Zahlen

300m² BGF

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