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WB Kulturforum Westfalen Münster

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Werkzeug • System

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Kulturforum Westfalen - Münster

Verbindungen

Die Stadt Münster stellt sich mit der Auslobung des Wettbewerbs für das Kulturforum Westfalen auf dem Hindenburgplatz einer aufsehen erregenden städtebaulichen und architektonischen Aufgabe zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dieser Platz ist über Jahrhunderte, umlagert von geschichtlichen und stadtstrukturellen Entwicklungen, selbst leer geblieben. Heute führt dieser vermeintlich weisse Fleck auf der Karte Münsters dazu, dass innerstädtisch ein nicht hoch genug einzuschätzendes Entwicklungsgebiet zur Bearbeitung ansteht. Gerade die Kennzeichnung des Ortes als „Zwischenraum“ zwischen den starken Polen der Umgebung gibt ihm die Funktion eines „missing link“ für die zukünftigen Planungen in der Kernstadt von Münster. Diese auch in der Auslobung ausführlich dargestellte Besonderheit motiviert, die zahlreichen und unterschiedlichen Entwurfsparameter so zu strukturieren, dass sie diesem Ort auf ebenso vielen Ebenen Rechnung tragen. Hier gilt der Satz besonders, dass das Ergebnis zwingend mehr sein muss als die Summer der verwendeten Einzelteile.

Städtebauliche Einordnung

Wie festgestellt, hat der Hindenburgplatz keine eindeutige Zugehörigkeit zu einem angrenzenden Stadtbereich. Er ist auf belebende Weise nicht definiert und im positiven Sinn Uneindeutig und zeigt mit diesen Eigenschaften seltenes, zeitgemäß aufgeladenes Potential. Aus seiner Charakteristik ist kein “entweder/oder“ sondern klar ein „sowohl als auch“ abzulesen. Die Aufgaben, die jetzt gestellt werden, treffen präzise den Kern heutiger architektonischer und städtebaulicher Diskussion. Nicht die ergebnisorientierte, gesetzte Komposition darf im Vordergrund stehen.

Aufgaben der Strukturierung von Interaktionszusammenhängen, der nicht determinierten Kommunikation und der Moderation rücken in der Brennpunkt und sind Ausgangspunkt der Arbeit. Offensichtlich entfaltet sich eine multidirektionale Matrix mit Knotenpunkten wie z.B.:

Verbindungen Knotenpunkt, infrastrukturelles Verbindungsfeld, Schaltstelle Übergänge Altstadt / Schlossgarten / Aasee / Universität Trennungen Strasse Hindenburgplatz Zeitfolgen Geschichtsebenen / Gegenwart / Zukunftsfähigkeit Funktionen Nutzer / Programmierungen Attraktoren gesetzte oder gefundene Ziele Atmosphären Gefühle / Stimmungen Ereignisse systemimmanentes Entwicklungspotential durch Modulation der vorgefundenen Leerstellen Positionen Oszillierende Eindeutigkeiten Referenzen Konstituierende Strukturen aus lokalem UND globalem Potential ... ...

Die folgerichtig nicht vollständige und nicht zu vollendende Matrix funktioniert als offenes System. Der vorliegende Entwurf setzt eine Versuchsanordnung und ermittelt eine Lösung die im Heute Impulse für die Zukunft setzt. Diese Impulse sind nur resonant und relevant wenn untrennbare Verwebungen mit dem Kontext initiiert werden.

Städtebau / Architektur

Die skizzierten Diagrammsequenzen (Blatt 3) geben an zwei Beispielen einen Eindruck der Versuchsanordnung im Prozess. In zahlreichen Szenarien wurden die Elemente analysiert, in ihrer Wirkung überlagert und dem Entwurf hinzugefügt. Beispielhaft für diese Elemente sind u.a.:

konstruierte Blicke Museum, Schloss, Altstadtstrassen, Dom ... funktionalen Bezüge Sitzlandschaft / Uni / Stadtplatz / Musikhalle, Museum ... Verbindungen jahrhunderte alte Trampelpfade / Bundesstrasse / Promenade Bewegungslinien Passanten Topographie Raumkanten / Bestand Raumprogramm Musikbetrieb / Kunstbetrieb ... ...

Diese Elemente, verstanden als Vokabeln eines urbanen Textes, werden sinnhaft erst durch eine neu entwickelte Grammatik. Dieser Entwurfsansatz führt zu dem ungerichteten Linienraster, das Grundlage und Spielfeld für die Integration der unspezifischen Entwurfsparameter und der präzisen programmatischen Vorgaben der Auslobung wird. In permanenter auch durch die Entwurfspräsentation nicht abgeschlossener Diskussion formt sich interreferentiell das Ergebnis. Es entstehen Punkte, Linien, Felder, Räume, Gebäude und Verbindungen.

Objekte

Alle Objekte des Entwurf besonders die Musikhalle und das Museum für zeitgenössische Kunst benutzen das abgeleitete und verzeichnete Raster. Es findet in Abstimmung mit dem Programm direkten Eingang in die Architektur. Abgeleitet aus der Situation zeigen sich die Objekte vom Raum städtischer Lebendigkeit umflossen und sind ständiger Veränderung ausgesetzt. Rückseiten als reduzierende Determination sind hier nicht denkbar. Frequenz zeigt sich in der Polyphonie zwischen Musikhalle, Museum und Universität. Selbst die 3 Haupt-Platzfolgen mit den zugehörigen 4 Übergängen zur Altstadt sind rhythmisiert und verändern die lineare Bewegung auf der Bundesstrasse zu Gunsten ihrer Überquerung. Funktionale und räumliche Begrenzungen liegen nicht notwendigerweise auf einer Ebene. Konventionelle Bezüge z.B. zwischen Innen und Außen, Individuum und Gruppe werden in Frage gestellt und mit einer Alternative beantwortet. Z.B. Die Topographie des Platzes zieht sich in beide Eingangsfoyers der Gebäude. In der Musikhalle führt der Weg über wechselnde Ebenen gesteigert in das Auditorium. Z.B. Das Museum versteht sich als semipermeable Membran, die permanent wechselnde Einblicke in das Innere erlaubt und im direkten Wechsel aufgeladene, überraschende Ausblicke auf die Umgebung gibt.

Gestaltung

In der beschrieben Konstitution des Entwurfssystems werden spezifische strukturelle Fragen gestellt und beantwortet. Zu diesem Zeitpunkt zwingend ergebnisoffen, integrieren sich die detailliertere Formulierungen bis hin zur Materialität im fortschreitenden Prozess.

Abschnittsbildung

Das einzelne Objekt ist Resultat des beschriebenen Systems. Auf dieser Basis ist selbstverständlich eine abschnittsweise Realisierung Bestandteil des Prozesses. In verschiedensten Zwischenphase manifestiert sich das Bild des Systems wechselnd z.B. durch Installationen, Landschaftsgestaltung, Wege, Pavillons usw.

Freiraumnutzungen

Ebenso wie die Architektur und die sequenzielle Bespielung des Gesamtraumes sind auch die elementaren Zusatznutzungen von Send und Reitturnier integraler Bestandteil auf der Basis des vorgeschlagenen Rasters. Auch hier sind Verwebungsmöglichkeiten installiert und können neue Bedeutungszusammenhänge entwickeln. Der Send ist ähnlich wie Musikhalle, Museum und Platzgestaltung Bestandteil der Stadt und im besonderen temporäre Stadtergänzung bis vor die Tore des barocken Herrschaftssitzes. Bei unterschiedlicher Benutzung der ausgedehnten Freiflächen rotiert die Ausrichtung um ein gedachtes Zentrum in der Achse Schloss / Promenade und betont stadträumlich die Verbindung zwischen Schloss und Altstadt.

Die vorliegende Arbeit konstituiert insgesamt mit den kurz beschriebenen Elementen einen neuen Lösungsweg. Dieses Angebot der Installation einer offenen parametrischen, d.h. veränderbaren Anordnung führt zu den dargestellten komplexen Ergebnissen. Der Hinderburgplatz mit der vielbefahrenen Strasse, den Übergängen und Verbindungen, der abwechselnden zeitlichen Nutzung, der eigentlichen Platz- und Grüngestaltung, gipfelnd schließlich in der Musikhalle und dem Museum für zeitgenössische Kunst, löst das Versprechen des „sowohl als auch“ ein. Gerade hier an dieser städtebaulichen Situation der geschichtlichen Stadtschichtungen im Spannungsfeld der Bilder der klassischen mitteleuropäischen Stadt, kann ein städtischer Bereich aus sich selbst heraus innovativ so entwickelt werden, das auch noch nicht definierte Ansprüche an städtischen Raum und Stadtentwicklung beispielhaft für Münster erfüllt werden. Die Stadt Münster bekommt einen neuen Stadtplatz mit zahlreichen Ereignissen, Möglichkeiten und Räumen, die die Rolle der Stadt als Katalysator zeitgemäßer Lebens- und Ausdrucksformen neu formulieren. Es entsteht eine herausfordernde, selbstbewusste räumliche Gesamtsituation, die verspricht das „missing link“ auch in die Zukunft zu sein.

Aufgabe

Wettbewerb Kulturforum Westfalen
Bebauung Hindenburgplatz Münster
Musikhall und Museum für zeitgenössische Kunst

Mitarbeiter

Ulrich Hahnefeld, Gabriele Roy, Stephan Schrick (SHE_arch)

Bauherr

Stadt Münster

Standort

Hindenburgplatz Münster

Material

Datum

bis 10-2003

Zahlen

16.000 m² BGF